Prüfverfahren

Klopfen & Stochern

Sind bei einer visuellen Prüfung, auffällige Stellen am Stamm entdeckt worden, wie beispielsweise Höhlungen, Pilzfruchtkörper oder verdächtige Rindenbilder, dann sollte mit einem Gummihammer, der Baum neben den betroffenen Stellen, insgesamt aber rundherum, abgeklopft werden. Bei diesem Abklopfen, was zu keinerlei Verletzungen des Baumes führt, lässt sich ganz gut herausfinden, inwieweit eine eventuell vorhandene, innere Aushöhlung bereits in ihrer Ausbreitung fortgeschritten ist. Ist der Baum insgesamt noch sehr vollholzig, lässt das zunächst auf einen noch vertretbaren Schaden schliessen.

Auch die Position des Schadens spielt eine Rolle für die Beeinflussung der statischen Eigenschaften des Baumes. Bei dieser Methode ist viel Gefühl gefragt. Grundsätzlich soll sie nur einen Eindruck vermitteln, wie es hinter Borke und Rinde aussehen könnte. Bei Zweifeln oder für Ungeübte, sollte daher unbedingt der Vorsatz gelten, den Baum weitergehenden Prüfungen zu unterziehen.

Bei Höhlungen oder bereits eingefaulten Astungswunden, Astabbrüchen oder Kappstellen, ist es zudem auch ratsam, mittels einer Stange die Tiefe und Schwere der Ausfaulung auszuloten. Zum Einsatz kann eine Stange auch bei Aushöhlungen unter dem Stammfuß kommen, um deren Tiefe zu erforschen.

Astungswunden sind vom Boden schlecht einsehbar und wirken oft noch unversehrt. In Wirklichkeit hat sich aber nicht selten bereits eine ausgeprägte Fäulnis dahinter ausgebildet. Da diese Wunden meistens in den oberen Regionen des Baumes vorzufinden sind, kommt man selten um den Einsatz von Leiter oder sogar Hubsteiger herum.

Resistograph

Wer bis jetzt noch immer ohne fremde Hilfe ausgekommen ist, wird nun spätestens jetzt einen Fachmann zu Rate ziehen müssen. Entdeckte Ausfaulungen und deren Auswirkung auf die Stand- und Bruchsicherheit, lassen sich mit einem Resistographen genauer untersuchen. Dieses Bohrgerät ist in der Anschaffung recht teuer und auch das eigentliche Bohrverfahren kostet nicht wenig.

Zudem ist dieses Verfahren nun nicht mehr verletzungsfrei für den Baum und sollte daher auch nur in begründeten Fällen angewendet werden. Das anbohren des Baumes wird auf einem Kontrollstreifen parallel aufgezeichnet. Die Ausschläge zeigen den Bohrwiderstand an und geben somit bei der Auswertung ein genaues Bild über die noch vorhandene Restwandstärke in unmittelbarer Nähe der Bohrung. In der Regel sind mehrere Bohrungen pro Baum nötig, um ein abgerundetes und aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

Die als Restwandstärke bezeichnete Stärke des Holzkörpers gibt also den entscheidenden Hinweis, wie viel cm tragfähiges Holz noch für den statischen Halt des Baumes in der untersuchten Region vorhanden sind.

Ein ähnliches Verfahren erfolgt bei der Verwendung des Teredo-Bohrgerätes. Ein wesentlicher Unterschied besteht im Durchmesser der Bohrnadel, der nur bei ca. 1,2 mm liegt. Da der Teredo-Bohrer aber mit sehr hoher Umdrehung arbeitet, kommt es zu Verkohlungen des Bohrkanals.

SIA/SIB

Die einst als statisch integrierte Abschätzung - kurz SIA - bekannt gewordene Methode, neuerdings SIB abgekürzt, berücksichtigt als einzige Analysemethode, die drei wesentlichen Elemente der Statik: Last, Form und Material.

Diese Methode erstellt, bei allen frei stehenden Bäumen, eine brauchbare Abschätzung von deren Statik, gleichgültig, ob sie beschnitten sind oder nicht. Die Berechnung wird auf Basis der Daten von Baumhöhe, Kronenform, Stammdurchmesser, Standort und der Baumgattung ermöglicht und sagt aus, wie viel Prozent Sicherheit der Baum aufweist.

Liegt der ermittelte Wert unter 100%, kann mithilfe einer Tabelle errechnet werden, um wie viel Meter eine Kronenreduzierung vollzogen werden muss, um mindestens 100% Sicherheit zu erhalten.

SIA ermöglicht auch die Berechnung, welche Restwandstärke der Baum für 100% Sicherheit benötigt. Sind bereits Faulstellen oder Höhlungen im Holzkörper vorhanden und z. B. mit Hilfe eines Resistographen die noch vorhandene Restwandstärke ermittelt worden, lässt sich auch hier relativ genau abschätzen, wie viel Prozent Sicherheit der Baum noch besitzt.

Fractometer

Das Fractometer ist ein handliches, feldtaugliches Prüfgerät für Holz. Als Prüfkörper werden Bohrkerne von 5 mm Durchmesser verwendet, die mit einem Zuwachsbohrer aus dem Holz gezogen werden, wobei eine erhöhte Verletzung des Baumes erfolgt.

Es werden die drei mechanischen Größen bestimmt: Biegebruchspannung, Biegebruchenergie und Elastizitätsmodul.

Durch kontrolliertes Brechen der Holz-Bohrkerne, mittels des Fractometers, wird angezeigt, bei welcher Krafteinleitung und in welchem Biegewinkel ein Bohrkern bricht. Diese Werte werden anhand von baumartspezifischen Werten in Tabellen relativiert und in Bezug auf die Verkehrssicherheit gedeutet.

VTA

Die Visual Tree Assessment (VTA)-Methode, ist ein Bewertungsverfahren zur Beurteilung der Bruchsicherheit und Standsicherheit von Bäumen.

Neben visuell erkennbaren Auffälligkeiten und Schadymptomen, basiert es auf der Grundlage, dass der Baum - entsprechend dem Axiom konstanter Spannung - versucht, von Defekten verursachte Spannungsüberhöhungen, durch verstärktes und gezielt eingesetztes Dickenwachstum abzubauen.

Die auf diese Weise gebildeten Veränderungen sind sichtbare Symptome, die als Warnsignale in der Körpersprache der Bäume auf die Schädigungen hinweisen. Die VTA-Methode ordnet den Symptomen die verursachenden Defekte zu.

Diese Rückschlüsse wurden mit Hilfe der Computer Aided Optimization (CAO)-Methode abgesichert, indem einzelne Symptome, aufgrund ihrer Defekte, rechnerisch nachgebildet wurden. Werden bei der visuellen Baumkontrolle im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht Defektsymptome erkannt, erfolgt eine eingehende technische und nicht mehr verletzungsfreie Untersuchung, mit Geräteeinsatz zur Bestätigung und Bewertung des vermessenen Defekts, mit Versagenskriterien nach einem VTA-Ablaufdiagramm.

Elastometer

Bei der Elastomethode wird der Baum mittels einer Zugeinrichtung definiert belastet und auf seine Stand- und Bruchsicherheit hin untersucht.

Im Bereich von Schadstellen am Baum, wird die Bruchsicherheit durch das Anbringen von Elastometern gemessen; diese messen im 1/1000 mm-Bereich, die Dehnung der äußersten Stammfasern, über die der größte Lastabtrag bei einer Belastung (z. B. durch Sturm) erfolgt. Durch entsprechende Umrechnungen im Verhältnis zur eingebrachten Last (Greifzug) kann ermittelt werden, ob der Baum im Orkan bruchsicher ist.

Das Elastometer wird mit Nadeln in der Borke befestigt. Durch wissenschaftliche Untersuchungen wurde das Verhalten grüner Hölzer ermittelt, die Grenzdehnungen sind bekannt (die weit entfernt sind von den ermittelten Werten), Verletzungen dieser Fasern werden vermieden. Die Zugrichtung ist vorgegeben durch eventuelle Schädigungen oder durch andere, z. B. bauliche Beeinträchtigungen des Baumstandortes (Straßen/Mauern, die den Wurzelraum beeinträchtigen usw.). Dabei spielt es keine Rolle, ob in die Richtung gezogen wird, wo die schwächsten Stellen eines Baumes sind oder in die entgegengesetzte Richtung. Die Faserdehnung auf der Zugseite entspricht der Faserstauchung auf der Druckseite. Der Lastabtrag ist auf beiden Seiten gleich hoch.

Dieses Verfahren wird oft zusammen mit einem Inclinometer (Neigungsmessgerät) gekoppelt durchgeführt.

Der Computertomograph

Mittels eines Computertomographen, wird ein radioaktiver Strahl durch den Holzkörper des Baumes geschickt.

Durch eine eingebaute Aufnahmeeinrichtung, werden Angaben über die vorhandene Dichte des Holzes aufgezeichnet. Aufgrund von behördlichen Auflagen nur eingeschränkt durchführbar.

Inclinometer

Für eine Untersuchung der Standsicherheit von Bäumen, wird per Zugversuch die Inclino-Methode angewendet.

Mittels eines Greifzuges wird über ein Stahlseil, der zu untersuchende Baum gezogen. Das Stahlseil ist mit Polyesterschlaufen im Baum befestigt, um Verletzungen zu vermeiden.

Mit dem Greifzug verbunden ist ein Dynamometer, um die benötigte Kraft zu messen, mit der der Baum bei den jeweiligen Messpunkten gezogen wird. Diese Kraft stellt die Ersatzlast für den Wind dar. Die ermittelten Werte, werden über ein Computerprogramm für das Verhalten des Baumes im Orkan hochgerechnet.

Am Stammfuß wird ein Messgerät (Inclinometer) angebracht, welches die Neigung des Baumes ermittelt. Die Neigungswerte werden ins Verhältnis gesetzt, zu der eingebrachten Kraft und geben Aufschluss über das Verhalten des Baumes, bei einem Lasteintrag bei Orkan.

Durch vielfältige Untersuchungen wurde wissenschaftlich ermittelt, dass alle Bäume bei ca. 2,5° Neigung am Stammfuß zu kippen beginnen. Die Messungen finden im 1/100 Gradbereich statt und stellen keine Gefährdung für den Baum dar.

Dieses Verfahren wird oft zusammen mit der Elastomethode gekoppelt durchgeführt.

Kronensicherungen

Einst eingebaute Kronensicherungen sind in der Zukunft auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu untersuchen.

Durch den Einbau von Kronensicherungen, die in der heutigen Zeit zumeist aus flexiblen Seilsystemen und nur noch in Ausnahmefällen aus Stahlseilen bestehen, sollen gefährdete Bäume, Baumkronen bzw. deren Teile, vor stärkeren Schnittmaßnahmen oft bewahrt oder Fällungen vermieden werden.

Die Systeme lassen sich individuell an die jeweiligen Erfordernisse in Bezug auf die Haltekraft, dem Baumwachstum, Schwingungen, u.s.w. anpassen.

Die Baumbewegung darf beim Einbau von flexiblen Kronensicherungen im Normalfall nicht eingeschränkt werden. Erst bei Eintreten von extremen Schwingungen, muss das System in die Bewegung des Baumes eingreifen.

Ist das System zu stramm installiert, erkennt der Baum die Sicherungsmaßnahme als eigene Stütze bei seinen täglichen Bewegungen an. Dadurch besteht für ihn keine Notwendigkeit mehr, eigene Zuwächse zur Stabilisierung zu bilden. Das kann zu erheblichen Veränderungen im statischen Gefüge führen. Die Anwendung dieser kostenintensiven Form der Baumpflege, muss auf jeden Fall auch regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen einplanen.

Klettertechnik

In den letzten Jahren hat der Einsatz von professionellen tree-climber rapide zugenommen. Mit Hilfe der Doppelseilklettertechnik ist es ihnen möglich, auf jedem Baum, an jedem Standort, erforderliche Kontrollen und Maßnahmen durchzuführen.

Mit der eingesetzten Fußklemmtechnik wird für ein verletzungsfreies einsteigen in den Baum gesorgt. Zum Schutz des Baumes wird das Seil bei der Arbeit nicht über einen Ast geführt, sondern durch einen sogenannten Kambiumschoner, der aus einer starken Bandschlinge mit 2 Aluminiumringen besteht.

Um erforderliche Schnittarbeiten möglichst baumschonend durchzuführen, wird der tree-climber in der Regel weitestgehend auf den Einsatz von Motorsägen verzichten.

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praktischer
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Baumschulgärtner
und -kontrolleur
des Autors
Thomas Langner

(* 1966 - † 2008)

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