Baumkataster

Aufgrund der immer höher angelegten Messlatte bei der rechtlichen Behandlung von Schäden, die durch Bäume verursacht werden, ist es durchaus ratsam, zur Beweißicherung seiner Prüfungen und Ergebnisse am eigenen Baumbestand ein entsprechendes Kataster anzulegen.

Das anlegen und führen eines Baumkatasters wird gerade bei der Beurteilung und Verwaltung von großen Baumbeständen unumgänglich sein. Nicht selten verfügen gerade Städte über einen enormen Baumbestand, der sich schnell auf 10.000 bis 20.000 Straßenbäume summieren kann. In Großstädten sind es dementsprechend mehr. Diese Aufgabe ist nur noch computergestützt durchführbar. Zahlreiche Systeme, die diese Arbeit unterstützen, sind bereits auf dem Markt.

Das Baumkataster sollte alle relevanten Daten beinhalten, die zum einen für die Bestandsaufnahme und Identifizierung der einzelnen Bäume nützlich sind, sowie eine Gesamtauswertung des Bestandes nach unterschiedlichen Gesichtspunkten ermöglicht. Folgende Aufteilung wäre denkbar:

  • Baumnummer; Vergabe innerhalb eines nach eigenen Kriterien entwickelten System, zur einwandfreien Identifizierung der einzelnen Bäume.
  • Baumgattung; -Art; -Sorte; Benennung und Erkennung der vorhandenen Bäume, auf Basis der botanischen, deutschen oder beider Namen.
  • Standort; Eindeutig zuzuordnende Merkmale des Standortes, zur Erleichterung der jeweiligen Identifizierung; z. B. Straße, Hausnummer, u.s.w.
  • Datum; Zeitpunkt der Erfassung, der letzten Überprüfung
  • Beurteilung; Gesamteindruck über den Vitalitätszustand des untersuchten Baumes; z. B. gesund, schwach geschädigt, stark geschädigt, sehr stark geschädigt, abgängig, u.s.w.
  • Maßnahmen; leiten sich aus der Beurteilung ab; z. B. keine, nötig, dringend erforderlich, Gefahr in Verzug, u.s.w.

Diese Grunddaten ergeben einen schnellen Überblick über den Zustand eines Baumes oder eines gesamten Bestandes bei einer entsprechenden Auswertung von Computerabfragen.

Im weiteren Aufbau des Katasters wird nun der mögliche Schadenskatalog für jeden Baum zusammengestellt. Bewährt hat sich die "Hamburger Baumkontrolle, entwickelt im Institut für Baumpflege Reinbek", wo nach einem festen Kriterium die Bäume untersucht werden.

  • Krone: Totäste; Spechtlöcher/Nisthöhlen; Unglücksbalken; Vergabelung/Zwiesel; Wassertaschen; eingefaulte Wunden/Astungswunden; Astabbrüche/-ausbrüche; Kappstellen; Pilzfruchtkörper; Alte Kronensicherungen; Lichtraumprofil und andere Erfordernisse im Baumumfeld
  • Stamm: Anfahrschäden, andere Wunden; Höhlungen; Alte Verbolzungen/Gewindestangen; Plomben; Auffälligkeiten im Rindenbild/Stammausformung; Längs oder Querrisse; abgestorbene Rindenpartien; Ausfluss/Harzfluss; Wülste und Beulen; Rippen und Einwallungen; Pilzfruchtkörper; Schrägstand/Lichtraumprofil
  • Stammfuß,Wurzeln,Baumumfeld: Stockaustriebe; Auffälligkeiten im Rindenbild und in der Ausformung des Stammfußes; Pilzfruchtkörper; Adventivwurzelbildung; Ameisen u.a. Insekten (Bohrmehl); Bodenaufwölbungen u. Bodenrisse; Baumumfeld

Je nachdem, welche Kriterien aus der obenstehenden Liste auf einen Baum zutreffen und unter Beachtung der aufgetretenen Intensität, ist sein Schädigungsgrad zu bewerten. Daraus folgt, das im weiteren Verlauf dokumentiert werden muss, welche Maßnahmen zur Behebung oder Verbesserung eingeleitet und durchgeführt werden. Der Eintrag über die Vollendung der angeordneten Maßnahmen, rundet den nicht unerheblichen Arbeitsaufwand ab.

Sinn macht es auch, durch Beweißicherungsbilder, Ergebnisse zu untermauern. Gerade bei Fällungen sind die Schadensymptome festzuhalten, um nachträglich auftretende Zweifel über die Richtigkeit der eingeleiteten Maßnahme aus dem Weg zu räumen.

Um die Veränderungen im Vitalitätszustand der einzelnen Bäume zu dokumentieren, sollten die bei den regelmäßig abzuhaltenden Prüfungen neu gewonnenen Erkenntnisse, in einem jeweils neuen Schadensblatt dargestellt werden.

Dieser insgesamt sehr teure und hohe Aufwand stellt wohl den Standard der Anforderungen dar, der nötig ist um zweifelsfrei seiner gesetzlich vorgeschriebenen Verkehrssicherungspflicht als Baumbesitzer in ausreichendem Maße nachzukommen.

Gerade in städtischen Bereichen herrscht an vielen Stellen ein baumfeindliches Umfeld. Aus welchem Grund auch immer wurde in der Vergangenheit und wird wohl auch in der Zukunft, oftmals an den unmöglichsten Stellen und unter den ungünstigsten Bedingungen versucht, das Lebensumfeld durch entsprechende Baumpflanzungen zu verbessern. Leidtragender ist dann letztendlich der Baum, der häufig ein eher kümmerliches Dasein führt.

So wird der Natur bei weitem nicht der Freiraum, z. B. in beengten Straßen überlassen, der ihr eigentlich zusteht. Besonders auch dann nicht, wenn im Namen der Verkehrssicherheit, z. B. durch entsprechende Schnittmaßnahmen, das triste Dasein zusätzlich erschwert werden muss.

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Baumschulgärtner
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des Autors
Thomas Langner

(* 1966 - † 2008)

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