Die Baumkrone



Zerstörte Baumkrone nach einem heftigen Sturm

Dem Menschen ist die Baumkrone meistens als Spender für Schatten und Früchte bekannt und seltener als eine mögliche kritische Schadenszone des Baumes. Sie umfasst den Großteil des Baumes, neben dem Stamm, den man überirdisch sieht.

Während man sich in der freien Natur nicht um die Baumkrone kümmern muss und der Baum mit dieser bestens selber zurechtkommt, kann dies außerhalb des Waldes in privaten Gärten oder städtischen Anlagen ganz anders aussehen.

In der Regel dient der Eingriff in Form von Rückschnitten der wirtschaftlichen und ästhetischen Optimierung der Baumkrone. In privaten Gärten und städtischen Anlagen steht natürlich die Optik und die Sicherheit im Vordergrund. Bei Nutzbäumen, in diesem Fall bei Obstbäumen, wird durch den Rückschnitt natürlich versucht die folgende Ausbeute an Früchten zu erhöhen.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe an möglichen Schadenszonen in der Baumkrone. In den meisten Fällen empfiehlt es sich für Laien wohl einen Profi zu beauftragen um nichts falsch zu machen.

Totholz / Totäste

Zwei Arten von Totholz gilt es zu unterscheiden

  • Naturgegeben: Durch den Lichtmangel im Inneren der Krone, trennt sich der Baum durch das eintrocknen von Zweigen und Ästen, die nicht zum Licht gelangen.
  • Schadensbedingt: Äste, die dem Licht zugänglich sind, trocknen von außen nach innen, bzw. von oben nach unten ein und sterben ab oder sehr starkes Astwerk, im Verhältnis zum gesamten Baum gesehen, trocknet bis zum Stamm hin zurück.

Kronenmantel / Laub und Nadeln

Befindet sich der Baum im belaubten Zustand, kann anhand des geschlossenen oder eines transparenten Nadel- oder Blattmantels, Rückschlüsse auf die Vitalität gezogen werden. Kleinere Blätter oder Nadeln als normalerweise üblich, sind zunächst kein direkter Hinweis auf eine eventuell vorliegende Verkehrsgefährdung. Diese Faktoren haben zunächst Bedeutung für ein Zustandsgutachten, dass für baumpflegerische Maßnahmen aussagekräftig ist. Auslöser für diese Veränderungen können - neben witterungsbedingten Einflüssen - auch Schädlinge sein, die für zusätzliche Veränderungen der Blätter und Nadeln, wie vergilben, Saug- und Fraßschäden, vorzeitiger Blattabwurf oder Nekrosen sorgen. Die Ausbildung der Nadel- oder Blattgröße kann sich zudem von einer auf die andere Vegetationsperiode verändern, da sie von vielen Faktoren abhängig ist. Beobachtet man allerdings über Jahre, dass die Nadeln oder Blätter zu klein sind, dann ist dies als Beleg für eine nachlassende Vitalität zu werten. Sollten zusätzlich andere Schadsymptome hinzukommen, kann dies ebenfalls zu einer anderen Einschätzung berechtigen.

Astwerk

Eine gesunde Struktur im Astaufbau weist neben einer gut aufgebauten Verzweigung, auch einen deutlich erkennbaren Triebzuwachs aus. Für jede Baumart gibt es ein typisches Längenzuwachs- und Verzweigungsmuster, in Abhängigkeit vom Alter des Baumes. Liegt eine abnehmende Vitalität vor, werden die Triebzuwächse kümmerlicher oder bleiben aus. Das typische Verzweigungsmuster löst sich auf, es werden mehr Kurztriebe ausgebildet und im stammnahen und unteren Kronenteil, werden durch Aktivierung von schlafenden Augen neue Triebe (= Reiterationen) gebildet. Der Baum bildet sich durch Aufgabe von äußeren Kronenpartien in seinem Kronenmantel zurück, was einer genaueren Untersuchung bedarf.

Astabbrüche / Astausbrüche / Faserknicken

Astabbrüche oder -ausbrüche können aus statischen Gründen oder witterungsbedingt erfolgen. Wiederholen sie sich jedoch mehrfach am selben Baum, kann dies ein Hinweis für eine andersweitig gelagerte Schädigung sein.

Wenn bei einem Sturm dicke Äste des Baums abgebrochen sind, müssen diese "auf Astring" abgeschnitten werden. Kleine Äste müssen auf einen Versorgungsast "umgeleitet" werden. Bei Ästen nahe dem Boden können diese Arbeiten auch von einem Hobby-Gärtner durchgeführt werden. Sollte der Schaden aber hoch oben im Baum entstanden sein, sollte in der Regel ein Experte wie ein Baumpfleger ans Werk gehen. Als Richtwert kann man sich merken, dass man als Laie die Finger von den beschädigten Ästen lassen sollte sobald eine Leiter benötigt wird um diese zu entfernen.

Für einen Laien kann dies sonst schnell lebensgefährlich werden. Wer sich nicht auskennt, hat schnell einen großen Ast der gegen den Stamm kippt und die Leiter umstößt. Genauso gefährlich können Äste sein, die "unter Spannung" stehen. Beim Versuch diese anzuschneiden kann es passieren, dass diese einreißen und unkontrolliert in alle Richtungen peitschen. Wer dann auch noch ohne entsprechenden Schutz vorgeht, riskiert leichtfertig bspw. sein Augenlicht. Ein Ast der einem ins Auge schlägt kann zu ernsthaften Schäden führen!

Faserknicke entstehen durch nachlassende Eigenspannung, wodurch die Zugspannung in Faserlängsrichtung versagt. Sie sind wie ein Grünastabbruch nicht vorhersehbar.

Spechthöhlen oder -löcher, Nisthöhlen

Kreisrunde Öffnungen an oder unter Starkästen oder der Stammpartie im Kronenbereich werden gerne von Spechten als Nisthöhlen genutzt. Die Höhlen befinden sich also bevorzugt an schwachen Zonen des Baumes, möglichst im Totholz. Dies kann auch lebende wie bereits tote Äste mit einem Durchmesser von ca. 20 cm betreffen. Sie sind vom Boden aus zumeist nicht einsehbar und damit ohne Untersuchung nicht einzuschätzen.

Die auch als Bruthöhle bezeichnete Nisthöhle wird vom Specht oder Buntspecht meistens nur ein bis zwei Jahre lang genutzt. In dieser legen sie ihre Eier ab und ziehen ihre Jungen groß. Sie nutzen die Höhle aber im Normalfall nur bis zum Sommer. Sobald die Nachkommen ausgeflogen sind, wird die Höhle von ihm vorerst nicht mehr benötigt.

Nach dem der Specht ausgeflogen ist, wird dessen Nisthöhle auch gerne von anderen Tieren genutzt. Hier liegt die Gefahr! Denn auch Wildbienen nutzen Baumhöhlen, Risse und Spalten zum Nisten und könnten sich in einer ehemaligen Spechthöhle befinden! Innerhalb eines Jahres kann eine Baumhöhle somit von vielen verschiedenen Tieren genutzt werden.

Astungswunden / Kappungen

Große Schnittwunden am Astwerk, bzw. direkt an der Stammverlängerung innerhalb der Krone begünstigen, bzw. ermöglichen in der Regel eine Fäulnis. Kappungen begünstigen ebenfalls eine Fäulnis. Zudem bilden sich in der Regel sehr starkwachsende Ständer, die statisch nur über ein geringe Anbindung an den Holzkörper verfügen und schon deshalb regelmäßig wieder geschnitten werden müssen.

Risse am Astwerk / Stämmlingen

Rissbildungen - offen oder mehrfach wieder überwallt - an Ästen oder Stämmlingen, weisen auf eine statische Schwachstelle hin und verkünden somit eine mangelhafte Bruchsicherheit. Besonders anfällig für Risse sind Unglücksbalken, V-Zwiesel, sich behindernde und nicht freischwingende, sowie auch kopflastige Kronenteile. Bei einigen Baumarten können auch ungefährliche Wachstumsrisse entstehen.

Wassertaschen

Wasseransammlung in Mulden von Vergabelungen, die zusätzlich einen Hinweis auf eingewachsene Rinde liefern können. Wassertaschen sind im geschlossenen Zustand als unbedenklich einzustufen. Erst eine entstandene Öffnung, wie z. B. eine Rissbildung, ändert diesen Zustand, da nun Wasser und andere Organismen ungehindert in das Innere des Baumes eindringen können.

Fremdbewuchs

Zum einen bildet sich Fremdbewuchs durch angeflogenen Samen, z. B. in vorhandenen Wassertaschen, die oftmals über eine dauerhafte Feuchtigkeit und durch angesammeltes Laub, über einen entsprechenden Nährboden verfügen.

Ferner entsteht ein Fremdbewuchs in Form von Überwachsungen durch Kletterpflanzen, wie z. B. mit Efeu. Mit zunehmender Vereinnahmung der Baumkrone, steigt der Lichtmangel und die Gewichtszunahme des Baumes an.

Zwiesel / Vergabelungen

Unterschieden werden je nach ihrer Stellung, U-Zwiesel und V-Zwiesel voneinander. Während von geschlossenen U-Zwieseln im eigentlichen Sinne keine Bruchgefahr ausgeht, verhält sich dies bei den V-Zwieseln anders.

V-Zwiesel - egal ob als Äste, Stämmlinge oder Stämme - besitzen keine vollwertige Anbindung an den Holzkörper. Die Tragfähigkeit der Anbindung reduziert sich zusätzlich durch den Zuwachs des Hebelarmes und dem Dickenwachstum.

Pilzfruchtkörper

Sichtbar gewordene Pilzfruchtkörper am verlängerten Stamm oder am Astwerk sind stets als ein erhöhtes Warnsignal für eine Verkehrsgefährdung, durch den Bruch eines Baumes zu betrachten. Da sich die Fruchtkörper der Pilze in der Regel erst nach einer mehrjährigen Besiedelung bilden, ist zunächst einmal von einer fortgeschrittenen Zersetzung des Holzes auszugehen. Hinweise für den bereits vorhandenen Schaden, liefern zum einen die Pilzart, die besiedelte Baumart, das gesamte Schadensbild des Baumes, sowie eine weiterführende Untersuchung.

Kronensicherungen

In der modernen Baumpflege ist die Kronensicherung nicht mehr wegzudenken. Heutzutage werden auch bessere Materialien und Methoden zur Sicherung der Baumkrone genutzt.

Einmal eingebaute Kronensicherungen, müssen in regelmäßigen Abständen auf ihren Zustand und die Funktionalität überprüft werden. Ansonsten wird die Baumkrone durch diese zu einer Schadenszone.

Kronenform

Je nach Baumart gibt es ein artspezifisches Wuchsverhalten. Abweichungen von dieser Normalform oder asymmetrisch gewachsene Baumkronen können auf Standortprobleme, einem ungünstigen Kronenaufbau oder ehemalige Astab- bzw. ausbrüche hinweisen. Ein möglicher Indikator für eine fehlende gleichmäßige Belastbarkeit des Baumes.

Ferner kann es durch die falsche Baumwahl oder durch bauliche Veränderungen im Baumumfeld zu Konflikten mit der Wuchshöhe oder -breite des Baumes kommen. Rechtzeitiges Erkennen und Handeln kann starke Eingriffe in den Kronenmantel vermeiden. Allerdings besteht auch in der Folgezeit ein erhöhter Pflegeaufwand.

Lichtraumprofil

Die Verkehrssicherungspflicht erfordert an entsprechend frequentierten Straßen, eine ausreichende Freihaltung des Straßenraumes und Sichtbarkeit der Verkehrszeichen. Um die Assimilationsfläche des Baumes nicht in einem Rutsch zu stark reduzieren zu müssen und auch zur Vermeidung von großen Astungswunden, sollten diese Arbeiten beizeiten und in mehreren Schritten erfolgen. Werden aus Platzgründen die Bäume recht nah an den Straßenraum gepflanzt, müssen diese Arbeiten zwangsläufig in kürzeren Intervallen ausgeführt werden, da auch noch recht junges Astwerk schnell in den Straßenraum wachsen kann.


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