Erle im keltischen Horoskop



Die männlichen Blüten der Schwarzerle

Die Erle, auch lateinisch "Alnus" bzw. "Fearn" bei den Kelten genannt, soll bei den Kelten als Verbindung zwischen Erde und der sogenannten Anderswelt fungiert haben. Sie entsprach im Ogham-Alphabet den Buchstaben "F" und "V". Im alternativen keltischen Horoskop soll derjenige, dessen Geburtstag zwischen dem 18. März und dem 14. April liegt ein "Erlenmensch" sein. In einigen Fassungen des keltischen Baumkalenders taucht die Erle an Stelle der Feige auf, in den meisten Fällen findet man sie aber nur im Horoskop mit 13 statt 21 Bäumen.

Erlen gehören zur Familie der Birkengewächse und werfen ihr Laub ab. Auf der nördlichen Erdhalbkugel soll es 35 Arten der Erle geben. In Mitteleuropa ist insbesondere die Schwarzerle, aber auch Grün- und die Grauerle verbreitet. Sie brauchen viel Wasser um zu gedeihen.


Die Erle in der Lyrik
Über die Erle sind auch Gedichte geschrieben worden, wie beispielsweise dieses Werk.
Weitere Gedichte auch über andere Bäume finden sich hier.

Schlechter Ruf der Erle

Aufgrund ihrer Präsenz in meist düsteren Sagen und unheimlichen Erzählungen ist die Erle in Deutschland eher negativ behaftet. Sie ist dort sogar teilweise als "Hexenbaum" oder "Baum des Todes" verschrien und kam dort angeblich auch nicht als Heilpflanze oder Schutz zum Einsatz.

Dabei kann die Erle selber nichts dafür. Schließlich gedeiht sie in sumpfigen und feuchten Gebieten nun mal am besten. Somit findet man sie an oft schaurig wirkenden Mooren, Flussauen oder Teichen. Ihre Wurzeln reichen bis tief ins Wasser. Dadurch steht sie exakt auf der Grenze zwischen festem sicheren Boden und dem schaurigen nebeligen Moorgebiet. Insbesondere damals waren solche Orte für die Menschen unheimlich und sie wurden mit Gefahren, Wassergeistern und Irrlichtern in Verbindung gebracht. Somit hatte man die gleiche Meinung auch über die Erle.

Deshalb erzählte man sich, dass die Erle zwischen dem Diesseits und der Anderswelt steht und über ihre Wurzeln ein "Tor" zur Welt von Elfen und anderen Wesen bietet. Trotz dieses Rufes tritt die Erle aufgrund der Verehrung durch die Kelten in vielen alten Orts- und Flurnamen in Erscheinung, z. B. in den altbayrischen Wallfahrtsorten Erlbach und Erlach.

Mit Hilfe der Erle soll es durch Meditation möglich gewesen sein den Durchgang zur Anderswelt zu öffnen und somit Zugang zu den verborgenen Lebensbereichen zu erlangen.

Erle in der Medizin

Ebenso spielte sie auch in der Volksmedizin eine Rolle, auch wenn andere Quellen das Gegenteil behaupten. Laut der mit mittelalterlichen Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen soll es sich bei der Erle eigentlich um einen völlig nutzlosen Baum handeln und er wäre auch in der Medizin zu nichts zu gebrauchen.

Zumindest die Schwarzerle ist hier aber ein Gegenbeispiel und kommt in der Naturheilkunde verstärkt vor. Die Rinde und Blätter wurden aber unter anderem als fiebersenkendes Mittel genutzt. Ebenfalls wurden damit Geschwüre und Wunden behandelt. Wenn man sie "als Medikament" eingenommen hat, soll sie auch gegen Rheuma, Zahnschmerzen und Halsentzündungen und -schmerzen geholfen haben. Bei Zahnfleischproblemen und auch bei Erkältungen wurde aus den Erlenblättern oder auch aus der Rinde im Herbst und Winter eine Art Mundspülung zum Gurgeln hergestellt, die für Abhilfe sorgte.

Die Fruchtzapfen der Schwarzerle

Abgeschlagene Äste sollen sich zum Blutstillen geeignet haben und zerriebene Fruchtzapfen wurden sogar genutzt, wenn eine Kuh Schwierigkeiten beim Kalben bekam. Viele Leute glaubten auch dass zerriebene Erlenblätter Flöhe, Wanzen, Mäuse und auch andere "verhexte" Schädlinge vertreiben könnten.

Somit zeigt die Erle, dass auch vermeintliche Gegensätze wie die unheilvolle und todbringende Kraft und die lebenspendende fruchtbare Stärke miteinander in Einklang gebracht werden können. Heute fürchtet sich wohl kaum noch jemand pauschal vor jedem Sumpf oder Moor und geht nicht davon aus auf eine Hexe zu treffen. Der unheimliche "Erlenbruch" hat seinen Schrecken somit einfach verloren und wird nur als "langweilige Natur" wahrgenommen.

Holz der Erle

Ein Nebeneffekt der Erle ist, dass sie nährstoffarmen Boden so anreichert, dass dort weitere Pflanzen gedeihen können. Man könnte dies auch auf den Menschen übertragen und davon ausgehen, dass andere Menschen von der Erle profitieren können, wenn sie mit ihr befreundet sind.

Der Erle wird nachgesagt ein besonders gutes Holz zu liefern. Dieses wird schon immer sei geschätzt und soll nicht verrottbar sein. Kein Wunder also dass daraus die Pfeiler in Venedig bestehen sollen, die permanent Wasser ausgesetzt sind und unempfindlich gegenüber diesem sind. Wegen eben dieser starken Bindung zum Element Wasser werden Erlen auch gerne als Wünschelruten genutzt um Wasserquellen aufzuspüren.

Ebenfalls soll die Erle für die beste Holzkohle genutzt worden sein. Früher war sie wohl ein gerne genutztes Brennmaterial. Aber auch Schamanen waren vom Holz der Erle überzeugt und fertigten Amulette aus ihrem Holz an. Diese dienten als Schutz auf Reisen in die Anderswelt und zur Stärkung ihrer geistigen Fähigkeiten. So ähnlich wie bei einem Rollenspiel am Computer, bei dem man seinen Charakteren mystische Gegenstände zur Stärkung der Fähigkeiten gibt.

Mythologische Bedeutung der Erle?

Eine Besonderheit der Erle ist ihr "Blut". Die Rinde der Erle liefert nämlich einen Saft mit einem roten Farbstoff und ihr wird daher nachgesagt zu bluten, wenn sie gefällt, geschlagen oder verletzt wird. Mit diesem "Blut" haben sich die Kelten eine Kriegsbemalung ins Gesicht gezaubert. Dadurch wirkten sie noch schrecklicher und imposanter auf Gegner. Aus diesem Grund wurden auch Stäbe aus Erlenholz über einem Verbrecher zerbrochen um ihn aus der Gesellschaft zu verstoßen.

Da die Erle augenscheinlich blutet wie ein lebendes Wesen, erfüllte es die Menschen in den alten Zeiten mit Furcht und versetzte sie in Angst. Man glaubte sogar, dass eine Erle die hört, dass sie gefällt werden soll, anfängt zu weinen und zu bluten. Bei den Germanen galt die rote Farbe der frisch geschlagenen Erle als Verkörperung des Teufels, der Hexen und des Bösen. Für sie galt sogar der Boden um die Erle als verflucht und verhext. Dabei weiß man heute, dass es einfach nur mit der Oxidation zusammenhängt, dass sich ihr Saft rot verfärbt.

Bei den Kelten waren die Erlen dem Schutzgott der Reisenden, Erzähler und Sänger namens "Bran" gewidmet. In der irisch-keltischen Mythologie wurde das erste Menschenpaar, wen wundert es, aus Bäumen erschaffen. So soll der Mann aus der Erle und die Frau aus einer Eberesche entstammen. Spätestens seit dieser Schöpfungsgeschichte ist die Erle also stark mit dem Menschen verbunden.

Auch in einem christlichen Mythos taucht die Erle auf. So soll das Kreuz Jesu Christis aus Erlenholz gezimmert worden sein und wurde von seinem Blut rot gefärbt. In einigen Orten, z. B. Thüringen, soll es noch im 19. Jahrhundert Tradition gewesen sein, dass am Karfreitag Erlenzweige ins Haus zu holen und daraus Kreuze anzufertigen. Diese sollen insbesondere an diesem Tag laut magischem Brauch als zauberabwehrendes Mittel wirken. In Wiesen gesteckt sollen sie auch Maulwürfe und Mäuse ferngehalten haben.

In der Walpurgisnacht, also der Nacht zum ersten Mai, wurden Erlenzweige zum Schutz vor Hexen benutzt. Daher stammt auch ihr selten gebrauchter Name "Walperbaum". Zwar ist die Erle eigentlich nicht die erste Wahl für den in Deutschland traditionell aufgestellten Maibaum. Zumindest in Raesfeld scheint aber traditionell tatsächlich eine Erle aufgestellt zu werden. Alles weitere zur seltsamen Tradition rund um den Maibaum erfährt man in einem eigenen Artikel zum Maibaum.

Da die Pollen der Erle neben Birke und Hasel wohl mit am stärksten als allergischer Auslöser in Erscheinung treten, wäre es auch möglich dass die Menschen damals auch aus diesem Grund Angst vor Erlen gehabt haben, zumindest wenn sie eine allergische Reaktion als eine Verhexung durch eine Erle aufgefasst haben.

Der Erlkönig

Viele Leute kennen die Erle vermutlich wegen des Gedichtes über den "Erlkönig". In diesem möchte der Erlkönig ein Kind seinem Vater einreißen und mit in seine Welt entführen. Im Gedicht wird bereits von Anfang eine düstere und bedrohliche Stimmung mit Angst vor dem Erlkönig aufgebaut:

"Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?"

Nicht zu Unrecht, denn im Verlauf der Geschichte stirbt das Kind tragischerweise bereits durch eine bloße Berührung durch den Erlkönig.

Allerdings wurde der "Erlkönig" wohl falsch übersetzt. Eigentlich stammt diese Erzählung nämlich aus Dänemark und die korrekte Übersetzung müsste "Elfenkönig" heißen. Das würde die Erle etwas unschuldiger aussehen lassen. Leider hilft diese Erkenntnis dem Ruf der Erle wohl nicht mehr.

Dieses und weitere Baumgedichte finden Sie auf baumpruefung.de ebenfalls in einem gesonderten Bereich.

Erlengeborene – Eigenschaften im keltischen Horoskop

Im Zeichen der Erle geborene Menschen gelten als Individualisten. Sie sind meistens abseits der breiten Masse unterwegs und suchen ihren eigenen Weg. Erlen-Menschen sind mutig, impulsiv und intelligent. Damit macht man sich natürlich nicht immer Freunde und fällt bei Verwandten, Freunden und Kollegen das ein oder andere mal eher negativ als "lebensfremder" Freigeist auf. Im Großen und Ganzen sind sie aber bei ihren Mitmenschen beliebt und geschätzt und können auch ein guter Führer sein, wenn man mit ihnen auskommt. Es heißt um einen klaren Kopf zu bekommen und seine Gedanken neu zu sortieren sollte man eine Zeit unter einer Erle Rast machen.

Leider können Erlengeborene mit Niederlagen und Kränkungen von ihnen nahestehenden Mitmenschen nicht besonders gut umgehen. Wenn es erst einmal dazu kommt, dass etwas unerwartet nicht funktioniert, geben sie nicht selten komplett auf. Sie sind sehr emotional und können ihre Tatkraft nicht von ihrem Empfinden lösen.

Allerdings meistern sie die meisten Aufgaben in ihrem Leben mit Bravour, nicht zuletzt wegen ihres scharfen Verstandes. Brenzliche Situationen ziehen sie förmlich magisch an und zur Verwunderung aller Mitmenschen kommen sie normalerweise unbeschadet aus jedem Abenteuer heraus.

Die Erle gilt in der keltischen Mythologie als Hüter von Geheimnissen, weshalb es nicht verwundert, dass auch den Erlengeborenen gerne Geheimnisse anvertraut werden. Ebenso wird auf sie gerne als Ratgeber und Zuhörer zurückgegriffen, da sie aufgrund ihrer emotionalen Ader anderen Trost spenden und ihnen Stütze sind.

Erlengeborene verfügen über ein hohes Selbstvertrauen, viel Lebenskraft und Ausdauer für ihre Abenteuer und sehen die Geschehnisse um sich herum stets mit einer beachtenswerten Klarheit.